Weckruf der Gesundokraten
Veröffentlicht: 28. Juli 2012 Einsortiert unter: Politik, Satire | Tags: Europa, Gesundheitspolitik, John Dalli Schreibe einen Kommentar »ein Gastbeitrag von Josep Opper
Während sich ein Großteil der europäischen Gemeinschaft um Konzepte zur Lösung der Staatsschuldenkrise bemüht, wird auch in anderen Politikbereichen kräftig weiter räsoniert. Und dabei geht es nicht nur um die demokratiegefährdenden Aktivitäten in Orbáns Ungarn oder Pontas Rumänien, sondern immer öfter um die so genannte „Gesundheitspolitik”.
Erst kürzlich machte der zuständige Gesundheitskommissar John Dalli mit einem Vorstoß bezüglich der Warnhinweise auf Tabakprodukten aufmerksam. Diese sollen nun mindestens 75% der Packungsoberfläche bedecken. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Theatrum Mundi liegt exklusiv ein Konzeptpapier vor, in dem Dalli weitere revolutionäre Vorschläge anbringt.
Manifest zur gesundheitlichen Krisenbewältigung in Europa
Sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem ich bereits mehrmals in meinem Vorschlag einer Vergrößerung der Warnnachrichten auf Zigarettenpackungen bestärkt wurde – auf nun endlich ausreichende 75% der Packungsoberfläche – möchte ich Ihnen nun, meinen geliebten Mitbürokraten und abgeschobenen Parteipolitikern, sowie EU-Illusionisten, noch mehr gesunde Vorschläge benennen, welche die unmündigen und trägen Völker Europas erlösen könnten.
Es heißt sich endlich auf die wichtigen Aufgaben in unserer Union zu konzentrieren. Statt Euro-Bonds muss das vereinheitlichte EU-Bonbon ins Zentrum der Diskussion rücken. Insulinspritze statt Finanzspritze! Gurken statt Gyros! Dazu präsentiere ich Ihnen folgende Vorschläge, die ich mit meinem Stab aus 17 Medizinern, 12 Ökotrophologen, 3 Sportwissenschaftlern, 8 Physiotherapeuten und 5 Heilpädagogen erarbeitet habe:
1. Auf allen stark fettreichen oder kohlehydratreichen Nahrungsmitteln fordere ich die aufklärendende Botschaft: “Der Konsum dieses Erzeugnisses kann zu Übergewicht führen” oder “Der Konsum dieses Erzeugnisses fügt Ihrem Sexualleben schweren Schaden zu”. Außerdem muss bei all diesen als potentiell gefährdend eingestuften Nahrungsmitteln ein Begleitheft zur Anwendung der Lebensmittel ausgegeben werden. Alternativ kann auch eine zwölfwöchige Schulung der EU-Initiative besucht werden, schließlich spielen Raider und Co. eine schwergewichtige Rolle beim europäischen Gesundheitsproblem.
2. Weiterhin fordere ich an den Eingängen von Diskotheken, Spielhallen, Kneipen und anderer Einrichtungen, die nicht zur Erhöhung der Produktivität und Fitness der Bürger beitragen, den Warnhinweis: “Das Betreten dieser Einrichtung führt Ihrem potentiellen Humankapital schweren Schaden zu” oder “Das Betreten dieser Einrichtung führt zur Erleichterung ihres Geldbeutels” sowie “Das Betreten dieser Einrichtung kann zu erhöhter Promiskuität führen”.
3. Außerdem sind spitze Türklingen mit dem Hinweis “Das Berühren dieses Gegenstandes kann zu bleibenden Schäden führen” zu beschriften. Die menschgemachte Umwelt ist voller Gefahren. Hinweise darauf sind unerlässlich. Um das Gefahrenpotential der Türklinken empirisch nachzuweisen, habe ich bereits einen Arbeitskreis gegründet.
4. Zusätzlich gilt es Sitzmöbel mit dem Hinweis: “Langes Sitzen fügt Ihrer Rückengesundheit erheblichen Schaden zu” zu versehen. Büroarbeiter bedürfen der Aufklärung. Meine Mitarbeiter und ich gehen da tatkräftig voran. Wir halten unsere Sitzungen ausschließlich auf Skateboards, Sitzbällen und Schaukelstühlen ab.
Das alles sind natürlich nur erste Vorschläge, die Ausdehnung muss selbstredend auf alle Lebensbereiche erfolgen. Verbraucherschutz und Humankapitalerhaltung müssen hier ganz klar die Marschrichtung vorgeben, und zwar dalli, dalli!
Hochachtungsvoll mit gesundokratischem Gruß
John Dalli
