Patriotismus? Nein Danke?
Veröffentlicht: 27. Juni 2012 Einsortiert unter: Politik | Tags: Ökofaschismus, Patriotismus 2 Kommentare »von Maria Dorno
„Ja, wir sind keine PatriotInnen“ – Die Grüne Jugend sorgt im Netz mit ihrer Anti-Patriotismus-Kampagne für Aufsehen. Das ist von ihr so gewollt. In einer Pressemitteilung erklären sich die jungen Grünen. Doch der Text strotzt vor Unkenntnis und Fehleinschätzungen.
„Die Trennung zwischen guten PatriotInnen und schmuddeligen NationalistInnen gibt es nicht“ behaupten die selbst erkorenen Nichtdeutschen, nachdem sie zuvor den EM-Party-Patriotismus ebenfalls in diese kunterbunte Begriffssuppe hineingerührt haben. Doch schon die geringste Auseinandersetzung mit diesen Begriffen hätte die grünen JünglingInnen dazu bringen müssen, noch einmal über ihre „Patriotismus? Nein Danke!“-Aufkleber nachzudenken. Ein kurzer Blick in Wikipedia würde ausreichen, um diese wunderbar einfache Begriffsdefinition von Johannes Rau zu finden:
„Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet.“
Doch diese Trennung will die Jugendorganisation partout nicht vollziehen: „(D)er positive Bezug zum eigenen „Vaterland“ bedeutet immer auch die Abwertung von Anderen, weil sie zum Beispiel AusländerInnen sind oder homosexuell.“ So wie der positive Bezug zum Vater die Mutter abwertet? Dass Homosexuelle nicht Teil des Vaterlandes sind, ist ebenfalls neu. Und auch weiterhin versteigt sich die Anti-Patriotismus-Schrift in immer neue, völlig unglaubliche Behauptungen. Das führt bis zur Darstellung einer Linie zwischen der WM 2006, Verdun und dem Holocaust. Alles deutscher Nationalismus – nicht voneinander trennbar.
Dass sich zwischen den schwarz-rot-goldenen Fahnen auch Extremisten tummeln, ist nicht abzustreiten, nicht zu vermeiden. Doch der Party-Patriotismus in seiner Gesamtheit ist ein friedliches und tolerantes Miteinander, kein politischer Nationalismus. Und auch kein wirklicher Patriotismus. Der deutsche Dichter Michael Richey legte schon im 18. Jahrhundert das Herz des Patriotismus offen:
„Ein Patriot sei ein Mensch, dem es um das Beste seines Vaterlandes ein rechter Ernst ist, einer, der dem gemeinen Wesen redlich zu dienen geflissen ist.“
Die jungen Menschen, die sich bei der Grünen Jugend engagieren, sind demnach wesentlich patriotischer als die meisten fahnenschwenkenden Bürger auf der Straße. Denn anstatt nur die Symbole des Patriotismus in die Höhe zu strecken setzen sie sich aktiv zum Wohle des Gemeinwesens ein – zumindest ist das ihr Ziel. Sie können es gar nicht für abstrakte Begriffe wie soziale Rechte und individuelle Freiheiten machen, wie sie in der Pressemitteilung schreiben. Denn hinter jedem dieser Begriffe stecken Menschen, für die sie sich einsetzen. Alle Menschen innerhalb der Grenzen Deutschlands. Das Volk. Die Nation. Schwarz-Rot-Gold. Danke, dass ihr euch dafür engagiert, liebe Grüne Jugend. Ja, ihr seid wahre Patrioten!
Passend dazu:
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Ihr haltet Wikipedia für zitierwürdig? Glückwunsch.
„Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet.“ (Johannes Rau) …nur weil das ein ehemaliger Bundesoberhampelmann gesagt hat ist das nicht automatisch wahr. Raus Definiton von Nationalismus entspricht eher der des Chauvinismus.
Ihr habt den Sachverhalt des Patriotismus nicht annähernd begriffen: es handelt sich um nichts weiter als den traurigen Versuch sich zu einem großen Ganzen zugehörig zu fühlen – obwohl man nie eine Wahl hatte, da man in dieses Zwangskollektiv hineingeboren wurde.(was für eine Leistung!)
Stolz auf den Zufall, dass auf dem Perso “Deutsch” als Staatsangehörigkeit steht ist fernab jeglichen emanzipatorischen Denkens.
Ums mit Schopenhauers Worten zu sagen: „Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten sehen.“
Setzt euch mal zu Hause hin und denkt über euer Leben nach.
Lieber Herr Hansen,
gerne möchte ich zu Ihrer Kritik Stellung nehmen:
“Ihr habt den Sachverhalt des Patriotismus nicht annähernd begriffen: es handelt sich um nichts weiter als den traurigen Versuch sich zu einem großen Ganzen zugehörig zu fühlen – obwohl man nie eine Wahl hatte, da man in dieses Zwangskollektiv hineingeboren wurde.(was für eine Leistung!) Stolz auf den Zufall, dass auf dem Perso “Deutsch” als Staatsangehörigkeit steht ist fernab jeglichen emanzipatorischen Denkens.”
Mit Ihrer Definition von Patriotismus, als trauriger Versuch, sich einem Zwangskollektiv zugehörig zu fühlen, stehen Sie ziemlich alleine da. Zum einen steht es Ihnen in einem freien Europa frei, sich ein anderes Vaterland zu suchen. Das nimmt dem Zwangskollektiv den Zwang. Zum anderen sprach ich in keinem Absatz von einem Stolz auf die Nation. Patriotismus habe ich als aktive Teilnahme an und für die Gesellschaft, für die Gemeinschaft aller auf deutschem Boden lebender, beschrieben. Nicht als Stolz.
Und patriotisch zu sein, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, kann in diesem Zusammenhang als Akt höchster Emanzipation gesehen werden. Als Emanzipation vom individualistisch-eudämonistischem Diktat der Coca-Cola-Moderne.